gedankenkunst – band 2
Gedankenkunst verschiedener Autoren und Autorinnen
Hrsg. Silvia J.B.Bartl
ISBN 3-9810547-6-8
Verlag Art of Arts 2006


art of mind

Man denke sich eine alte Dame- etwa achtzigjährig oder mehr, die ihre Wohnung vernachlässigt, um nichts von ihrer kostbaren Zeit zu verlieren. Wozu nur braucht sie die Zeit? Sie schreibt Mails für ein Forum im Netz, bis eines Tages...

Eine Geschichte zum Nachdenken von Elke Kemna- ganz im Sinn der Idee von ‚Gedankenkunst‘! 'Hannah's Forum' ist eine von 14 Geschichten, die Sylvia J.B.Bartl neben Gedichten zusammen getragen - und zum Teil erstmalig der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat.

Überraschend, wie die modernen Kommunikationsmittel Teil des Bewusstseins sind. Auch dann und wie mir scheint, gerade dann, wenn Gefühle gefragt werden, wenn Liebe wieder zu einer Macht wird, die das Leben vollständig neu fokussiert. So in der umfangreichen Erzählung über die Liebe zu einem Medienstar, verfasst von Joan Maria Winter, einer zwanzig Jahre jungen Autorin.

Liebesgeschichten- Gedichte nehmen in der Anthologie einen breiten Raum ein. Ob es dabei um das Kennen - Lernen an einer Bushaltestelle im Regen geht ( Susanne Krieber), um die Liebe zwischen Gleichgeschlechtlichen(Baphomet Marduk), um eine Traumbegegnung mit der früheren Partnerin (Rainer J. Hocher) oder auch nur um den Wunsch, sich vom Geliebten zu befreien(Maartje von Sandemeer),: Das Thema lässt viele Facetten zu.

Hängt nicht auch die Geschichte von ‚Einer, die geboren wurde, das Fürchten zu lernen‘ (Elke Kemna) irgendwie mit Liebe zusammen? Einer traurigen Liebe zwischen zwei Jugendlichen aus Flüchtlingszeiten, denen von Anfang an keine Chance zum Zusammenleben und zur Verantwortung für ihre kleine Tochter gegeben war.

Der Facettenreichtum gilt auch für unterschiedliche Ausdrucksmöglichkeiten. Überlieferte und bewährte Formen wie ein festes Reimschema und Metrum oder auch die in der Liebeslyrik geläufige Mond-Nacht Metaphorik sind in der Mehrzahl. Daneben gibt es Autoren, die freie Rhythmen und eine unprätentiöse, manchmal der Umgangssprache entlehnte Ausdrucksweise bevorzugen. Sie sind wie beispielsweise Rainer J. Hocher einer anderen Sprachtradition verpflichtet, stellen die Suche nach eher ungebräuchlichen Sprachbildern in den Vordergrund..

Manchmal bleiben unabhängig vom jeweiligen Zusammenhang Sätze in Erinnerung:

So wenn Maartje von Sandemeer sich wünscht: “Ach lass mich doch auf einer Wolke schweben", oder. wenn Andy Claus den Silberstreif seiner Schöpfungskraft in Richtung Arbeitszimmer verschwinden sieht. Welcher Schreibende kann nicht verstehen, dass der Autor diesem Silberstreifen schnellstmöglichst folgt...

Sehr verschiedenartige Beiträge wurden nebeneinander gestellt. Die Toleranz der Herausgeberin J. B. Bartl in puncto literarischer Vielfalt ist beachtenswert. Wie auch immer. Für alle Autoren gilt, was sie in ihrem Beitrag, der die Lyrikreihe eröffnet, sagt: “Doch im Innern brodeln Blitze- suchen heimlich Ausgangsschlitze”.

Wir, die Leser und Autoren, können uns darüber freuen, dass diese Gedankenblitze sich in einer freundlich gestalteten äußeren Form manifestiert sehen.. Ein ansprechendes Cover, ein ausgesuchtes Schriftbild. Schade, dass ein umfassendes Inhaltsverszeichnis fehlt.

Aber das ist nur eine Kleinigkeit und hat wer weiß sogar eine besondere Bedeutung.