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Alisha Bionda,

KUSS DER VERDAMMNIS

Wolfgang Hohlbeins Schattenchronik Bd. 2

Blitz Verlag 2005

ISBN 3-89840-352-1


Und sie wollte endlich wissen, woher sie kommt, wer sie wirklich war. Der Selbstfindungsprozeß durchzieht leitmotivisch die Handlung des Romans. Da begegnen wir einer jungen Frau mit Namen Dilara. Hinter ‚junge Frau‘ gehört allerdings ein großes Fragezeichen. Warten wir ab, was daraus wird. Eine junge Frau also, die wissen will, wo sie herkommt, welche Kräfte in ihr wirken und welches ihre Bestimmung in dieser Welt ist. Natürlich spielt Liebe eine Rolle, ebenso das Abenteuer ohne tiefe Bedeutung, aber auch die leidenschaftliche Liebe, die weit über den Moment hinausgeht, schließlich zu einer Art Schwurgemeinschaft wird. Dilara ist darüber hinaus neugierig auf die ‚Entwicklung des Menschen und der Welt‘. Man könnte sich nach allem gut denken, daß hier die Erfahrung einer modernen Frau thematisiert wird.

Und trotzdem ist alles ganz anders. Die ‚junge‘ Frau ist gerade mal vierhundert Jahre alt. Geboren wurde sie im 16. Jahrhundert. 1601 beschuldigte man sie der Hexerei und des Mordes. Daraufhin erfolgte die Hinrichtung im Londoner Hydepark. Dead by hanging. Jung ist sie insofern, als vierhundert Jahre für eine Vampirin kein Alter darstellt. Aber es besteht die Wahrscheinlichkeit, daß ihr Leben im 16. Jahrhundert auch nur eines von vielen ist. Ein Buch könnte Auskunft geben. Ebenso ein Bild in diesem Buch, das offensichtliche Abbild Dilaras aus einer noch früheren Existenz. Von diesem Buch – der sog. Schattenchronik- weiß der Leser bereits aus der Erzählung Wolfgang Hohlbeins (Schattenchronik Bd.1). Der Roman ‚Kuss der Verdammnis‘ setzt am Ende der Erzählung Wolfgang Hohlbeins ‚Schattenchornik – der ewig dunkle Traum‘ ein. Auch den Vampir – mit Namen Antediluvian - kennt der Leser aus dem ersten Band der Schattenchronik. Dem Ur-Nosferati, wie er auch genannt wird, verdankt Dilara ihr Leben als Vampirin. Nur er kann ihr in ihrem Selbstfindungsprozeß weiterhelfen. Allerdings wird er im Verlauf der Handlung immer mehr zum Gegenspieler, so daß er kaum zur Herausgabe der ‚Schattenchronik‘ bereit sein dürfte.

Spannung entsteht fast wie von selbst. Spannung in der Art eines Kriminalromans. Der Begleiter Dilaras drückt es so aus: „Du machst es immer wieder. Du deutest etwas an, und wenn es spannend wird, brichst du ab. Das ist schrecklich“ (S. 229) Nun, so schrecklich findet das der Leser nicht gerade. Er liest weiter und weiter und taucht in eine andere düstere dunkle Welt, die hauptsächlich in London – oberhalb und unterhalb der Stadt - angesiedelt ist.

Alisha Bionda gelingt es, eine düstere Atmosphäre entstehen zu lassen- mit erfreulicher Detailkenntis, was den Ort der Handlung London angeht. Horroszenen kommen vor, aber sie sind auf keinen Fall bestimmend.

Besonders erwähnenswert ist das ‚Outfit‘ des Buches. Das Cover von Mark Freier zeigt Dilara vor dunklem Gemäuer unter schwarzen Wolken. Die jedes Kapitel einleitenden Grafiken von Pat Hachfeld verdeutlichen die Struktur der Handlung, geben einen verstärkenden Deutungshinweis.

Deutunshinweise enthalten auch die jeweiligen Kapitelüberschriften, die interessanterweise die Form lateinischer Spruchweisheit haben.

Carpe diem‘ ‚Carpe noctem‘: Ob der Leser den Tag oder die Nacht zum Lesen nutzt, sei ihm anheim gestellt. Aber: Wird er aufhören können, ohne alles zu wissen über Dilara und Antediluvian?

Spannung, Atmosphäre, eine unbekannt- bekannte Welt wird ihn zum Lesen ‚semper et ubique(immer und überall) verführen...

Verraten möchte ich auch schon, daß viele Fäden geknüpft werden, die auf zukünftige Bände hinweisen. Fortsetzung folgt.